Im Juni dieses Jahres fand die Fortbildung „Von der ‚Irrenanstalt‘ zur Psychiatrie“ auf dem Gelände des Landeskrankenhauses Hall statt. Viele interessierte Teilnehmerinnen nahmen teil. Der Referent Dr. Oliver Seifert führte die Gruppe eindrucksvoll über das Areal und zeichnete die 200‑jährige Geschichte der einst als „Irrenanstalt“ gegründeten Einrichtung bis in die Gegenwart nach. Seine Ausführungen waren bewegend, sein Wissen tiefgreifend – entsprechend lebhaft waren die Gespräche und Nachfragen entlang der Stationen.
Ein Schwerpunkt lag auf der historischen Einordnung: Bis heute ist die Institution im Volksmund als „Gelbes Häusl“ bekannt – ein Hinweis auf ihre ambivalente, teils stigmatisierende Wahrnehmung. Am Gedenkort wurde die Zeit des Nationalsozialismus vertiefend thematisiert; das Schicksal der Opfer, die Mechanismen der Ausgrenzung und die Verantwortung für Erinnerung und Aufarbeitung standen im Mittelpunkt. Der Besuch im Historischen Archiv gab anschließend Einblicke in die Möglichkeiten historischer Recherche und Vermittlungsarbeit und zeigte anhand von Quellen, wie Biografien und Strukturen rekonstruiert werden können.
Die Fortbildung machte deutlich, wie sehr sich psychiatrische Versorgung und gesellschaftliche Haltungen verändert haben – und welche Fragen der Ethik, Partizipation und Entstigmatisierung uns bis heute begleiten. Viele Teilnehmende nahmen neue Perspektiven und Denkanstöße mit.

